Brügge 2019

Am letzten Weihnachtsopen nahm ein Belgier namens Benny Todts teil und lud uns im Gegenzug ein, bei seinem Open in Brügge mitzuspielen. Reinhard und Patrick waren sofort begeistert, aber es kam, wie es kommen musste: ich war der Einzige, der dann auch Taten folgen ließ. Na ja, macht nichts, denn ich hatte ja wieder meine Familie dabei. Dabei fing es gar nicht gut an, denn kurz vor der Reise waren wir alle krank: Ein grippaler Infekt hatte erst meinen Sohn, dann meine Frau und schließlich mich dahin gerafft. Aber: nur die Harten kommen in den Garten! Wir haben dann doch nicht abgesagt, sondern sind hustend und niesend nach Brügge gefahren. (Wer zwischen den Zeilen lesen kann, ahnt bereits, dass sich hier schon die erste Begründung für potentielles, späteres Ungemach im Turnier ankündigt.)

Das Hotel war fußläufig 5 Minuten vom Spiellokal gelegen, was sehr günstig war, denn wenn ca. eine halbe Stunde vor der Nachmittagspartie die Auslosung im Internet veröffentlicht wurde, konnte ich mich noch schnell etwas vorbereiten. Ja, es gab 2 Partien pro Tag jeweils um 10 Uhr und 15 Uhr. Möglich war dies aufgrund der relativ kurzen Bedenkzeit von 90 min. + 30 sec. für die gesamte Partie.

Ausgetragen wurde das 9-rundige Turnier im beschleunigten Schweizer System. Das funktionierte so, dass abhängig von der jeweiligen Rating-Gruppe die Teilnehmer mit 2, 1 oder 0 virtuellen Punkten starteten, so dass ich mit einem virtuellen Punkt zu Beginn weder auf ganz starke noch ganz schwache Gegner stoßen konnte. Das funktionierte auch drei Runden lang sehr gut, in denen ich 2,5 aus 3 holte, wobei ich einen 2100er besiegen konnte. Nach der dritten Runde wurden die virtuellen Pluspunkte halbiert und nach der fünften ganz weggelassen. Und nun kamen die ganz großen Brocken: ein holländischer FM, ein japanischer FM und ein kubanischer IM: Niederlage, Remis, Niederlage. Während die beiden Niederlagen das tatsächliche Kräfteverhältnis widerspiegelten, lag in der Partie gegen den Japaner eine Sensation in der Luft: ich habe gewinnbringenden Angriff, übersehe den sofortigen Gewinn, lasse seine letzte Mattdrohung zu und gebe Dauerschach, weil ich den Ausweg mit Damenopfer nicht finde (siehe Partie).

In Runde 7 machte ich gegen ein 1600er Jung-Talent remis, weil ich wiederum den Gewinnweg nicht fand. Das spornte mich an, in der Nachmittagspartie gegen einen 1700er alles wieder gut zu machen – mit dem Ergebnis, dass ich in der Eröffnung eine Figur wegpatzte!

Zwei Runden am Tag führen dazu, dass man echt wenig Zeit hat, sich die Stadt anzusehen. Doch in Runde 8 war ich schon um 16 Uhr fertig und konnte Versäumtes nachholen. In der Letzten Runde wurde mir ein hochtalentiertes irisches Kind zugelost. Und kam auch noch eine Variante auf’s Brett, in der Schwarz (ich) zwei Bauern opfert. Obwohl man da ausreichend Kompensation haben soll, ging mir ganz schön die Düse. Aber nach und nach kam ich in Vorteil und kombinierte ihm mit einer Falle einen Turm ab. Ende gut, alles gut!

Wie ich schon zu Patrick sagte: Brügge ist eine Reise wert! Und das, obwohl es viel regnete und die Restaurantpreise ganz schön gesalzen sind (wenn man nicht zu Pizza Hut oder zu Mc… na ihr wisst schon gehen will).

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