Ein Nachruf auf Gerald Hildebrand

Gerald Hildebrand ist tot.

Auch wenn wir ab einem bestimmten Alter immer damit rechnen müssen, so erreichte uns am letzten Wochenende die traurige Nachricht doch überraschend. Unser Gründungsmitglied Gerald Hildebrand ist am 22.04. im Alter von fast 91 Jahren verstorben. Am Ende fehlte die Kraft, um eine Blutvergiftung erfolgreich zu überstehen. Gerald wurde 1935 im heutigen Sachsen-Anhalt geboren. In jungen Jahren verschlug es ihn nach Berlin und dank des Schachs fand er mit seiner Frau eine Wohnung in Spandau, in der sie über 60 Jahre bis zuletzt zusammenwohnten. Zu bewundern war, wie er sich auch im hohen Alter der technischen Entwicklung stellte. WhatsApp für die Mannschaftskommunikation, kein Problem für Gerald. Im Internet recherchieren und die Datenbank bemühen. Er brauchte keine Hilfe, sondern hatte den Ehrgeiz, es allein zu schaffen.

Genau seine Schachkarriere nachzuzeichnen, wird langsam schwer, denn wie er selbst vor kurzem noch sagte, seien alle seine vielen Wegbegleiter – obwohl teilweise viel jünger als er – schon vorgegangen. Über Eckbauer, SC Siemensstadt und den Spandauer Schachverein wechselte er nach Wilmersdorf, um dort mit der damals glorreichen Mannschaft in die Bundesliga-Nord aufzusteigen. Gleichzeitig gründete er aber den SC Zitadelle Spandau 1977 mit und blieb uns über die vielen Jahrzehnte auch immer gewogen. So kam es auch, dass ich als kleiner Junge meine erste Begegnung mit einem starken Schachspieler einem Simultankampf von Gerald in der damaligen Kantine der Zitadelle zu verdanken habe. Ich sehe noch sein freundliches Gesicht, als ich mich ihm geschlagen geben musste. Einige Jahrzehnte später spielten wir dann in der BMM gegeneinander, er für Kreuzberg, wo er inzwischen anheuerte, ich für Zita. Die Partie war beiderseits voller Respekt und endete dann auch im Remis. 2018 schloss er sich dann endgültig Zitadelle an. Die Wege wurden langsam beschwerlich, aber BMM und die Seniorenmeisterschaften wollte er noch immer gern spielen. Wir freuten uns, denn auch in seinem schon hohen Alter scheuten wir zurecht nicht zurück, ihn auch noch in der ersten Mannschaft einzusetzen. 2018 und 2019 wurde er Berliner Nestorenmeister (75+), 2020 Berliner Seniorenmannschaftsmeister mit M. Schulz, Kribben, Kievelitz und Zaeske. Auch im Fernschach spielte er bis zuletzt und wurde zwischen 2005 und 2013 fünfmal Deutscher Fernschachseniorenmeister.

Im Alter war ihm aber mehr nach einem entspannten Spiel in der zweiten Mannschaft, die er einige Jahre verlässlich bereicherte. Noch in 2025 war er mit einem überragenden Ergebnis von 7,5 Punkten unser erfolgreichster Mannschaftsspieler. Für die letzte Berliner Seniorenmeisterschaft hatte er schon gemeldet. Leider musste er dann schweren Herzens absagen. Mit Gerald verlieren wir einen verdienten Spieler. Ruhe in Frieden!

Das Bild ist der Vereinsseite der SF Siemensstadt entnommen. Dass er Anfang der 70er Jahre auch dort spielte, war uns sogar neu. Herzlichen Dank!

Die Beerdigung findet am 19. Mai 2026 um 13 Uhr auf dem Friedhof „In den Kisseln“, Pionierstraße 82, 13589 Berlin statt.

Reinhard, für den SC Zitadelle Spandau 1977 e.V.

2 Kommentare

  1. Gerald Hildebrand war ein ganz außergewöhnlicher Schachspieler, der sich bis zuletzt eine hohe Spielstärke bewahrt hat. Als ich in den 70ern mit dem Schach anfing, war Gerald Hildebrand einer der großen Namen der Berliner Schachszene, von dessen starken Leistungen immer wieder im damals verbreiteten Mitteilungsblatt des Berliner Schachverbandes zu lesen war. Mit dem SV Wilmersdorf gehörte er 1980/1981 zum Kader der ersten Schachbundesliga. An den Spitzenbrettern dieses Teams spielten übrigens Harald Lieb, Rudolf Teschner und Michael Bilek. Der erst kürzlich verstorbene Joachim Schuppert gehörte ebenfalls zu dieser legendären Berliner Bundesligamannschaft. Geralds beste Schachjahre fielen in eine Zeit, als es noch keine DWZ-Zahlen und nur wenige Elo-Auswertungen gab. Sicherlich hätte er unter günstigeren Umständen auch einen FIDE-Meister Titel erreichen können, sein Elo-Bestwert lag nach meiner Kenntnis über 2200.
    Persönlich bin ich ihm des Öfteren am Brett begegnet, unter anderem auch einmal in der M-Klasse der Berliner Meisterschaft , wobei ich meistens den kürzeren zog und ihm im besten Falle mal ein Remis abknöpfen konnte.
    Gerald Hildebrand war in seinem Spiel immer sehr präsent, gerade auch, wenn er mal schlechter stand, und oft konnte er eine Partie noch drehen, weil er „den Schwachpunkt“ im gegnerischen Konzept erspähte. Stand er besser, hatte sowieso jeder Gegner ein echtes Problem, denn seine Technik war tadellos. Diese Turnierhärte hatte er sich durch jahrzehntelanges Spielen auf hohem Niveau antrainiert.
    Es sei noch ergänzt, dass Gerald Hildebrand
    dreimaliger Berliner Einzelmeister der FV Schach in den Jahren 1994, 1999 und 2017 war. Ich ziehe meinen Hut vor Dir, lieber Gerald Hildebrand!

  2. Gerald war ein vorbildlicher Sportsmann und ehrgeizig auch noch mit 90 Jahren.
    Ich bin dankbar, seinen letzten Erfolg gemeinsam mit ihm gefeiert haben zu dürfen.
    Bei der letztjährigen Berliner Seniorenmeisterschaft holte Zitadelle die Bronzemedaille in der Mannschaftswertung:
    Kribben 6
    Zaeske 5,5
    Hildebrand 5,5
    und mit hauchdünnem Wertungsvorsprung Platz 3 für Zita!

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