Dieses Jahr endete definitiv grandios für die fünf Jungs von unserer u10-Mannschaft: Alexander Wisniewski, Mark Chupikov, Ömer Kirtac, Oleksii Dergunov und Aarav Bansal fuhren mit dem Trainer und Verfasser dieses Artikels und fünf Papas nach Stuttgart in die Jugendherberge – sie liegt am Berg nicht weit entfernt von einer Straße mit dem schönen Namen „Ameisenbergstraße“. Doch dazu später.
Wir starteten bei Setzplatz 29 von 40 Mannschaften mit einem eher bescheidenen DWZ-Schnitt von 1142, und ich hatte mir heimlich vorgenommen, dass ich bei 50% der Punkte zufrieden sein würde. Olympisches Prinzip und so, dabei sein ist alles – egal. Grau ist alle Theorie.
Die erste Runde, an Tisch 9, endete mit einem 2:2 gegen die SF Heidelberg. Viermal gewann Weiß, schon das ein ordentlicher Erfolg gegen sehr viel stärkere Gegner. Aber das sollte sich wiederholen – dass 300 DWZ-Punkte ganz egal sind, wenn man sich in der u10 am Brett gegenübersitzt.
Zweite Runde, Tisch 10: 4:0 gegen VSG Offenbach, und das war schon eine faustdicke Überraschung, Ömer zum Beispiel neutralisierte 700 Punkte seines Gegners und machte den Sack mit einer netten Springergabel zu.
Dritte Runde, Tisch 5: 2,5:1,5 gegen die SG Porz, wobei sowohl Alexander als auch Mark großartig mit ihren Schwerfiguren hantierten. Das war natürlich ein beeindruckender erster Tag und alle begannen sich an das Siegen zu gewöhnen.
Vierte Runde, Tisch 2: 0,5: 3,5 gegen den Hamburger SK, und den halben Punkt machte Aarav am Brett 4, der sich bemerkenswert in Form gespielt hatte. Er hätte in der Schlussstellung auch auf Gewinn spielen können.
Fünfte Runde, Tisch 8: 2,5:1,5 gegen den Düsseldorfer SV – und hier kippte das Turnier endgültig zu einer Erfolgsgeschichte für uns, weil wir in allen vier Partien aus Verluststellungen heraus noch 2,5 Punkte holten; da war Glück dabei (Ömers Gegner stellte die Partie einzügig ein), aber auch die Coolness von Alexander, der bei schwerer Zeitnot ein Endspiel remis hielt, oder die taktische Findigkeit von Mark, der den Gegner mit einer Mischung aus Grundreihenmatt-Drohung und Springergabeltricks verwirren konnte.
Sechste Runde, Tisch 5: 2,5:1,5 gegen SK Gräfelfing, und wiederum war es Alexander, der in einer rattenschafen Stellung mit ungleichen Läufern und Königsangriff sehr mannschaftsdienlich das entscheidende Remis über die Ziellinie brachte. Wir übernachteten auf dem 4. Tabellenplatz, und einige Übermütige erzählten etwas vom Treppchen, und wir gönnten uns einen Ausflug auf dem Weihnachtsmarkt inklusive Fahrt mit dem Riesenrad. Da herrschte gute Laune!
Siebte Runde, Tisch 2: 1,5:2,5 gegen den SC Kreuzberg, ehrlich gesagt wie erwartet eine Niederlage, aber das Ergebnis kann sich trotzdem sehen lassen. Aarav gewann eine sehr komplizierte Partie, und das Remis von Mark war schmeichelhaft (beide müssen Bauernendspiele üben!).
Egal, wir hatten am Ende 9:5 Mannschaftspunkte, waren unter den Top 10 gelandet und hatten unseren Verband würdig vertreten! Beeindruckend sind die individuellen DWZ-Zugewinne:

Aber ich möchte auch noch etwas von der Stimmung da auf dem Berg erzählen. Innerhalb der Mannschaft wurde es natürlich immer lustiger. Man könnte auch sagen verrückter oder quirliger, und viel mehr Tage hätte ich das kaum unbeschädigt überstanden. Aber so war es insgesamt in dieser Jugendherberge, die sich wie ein Ameisenhügel von innen anfühlte. Nach einem Film, mit dem wir die Wartezeit auf den Zug überbrückten, und nach vielen rastlosen Lichess-Partien im ICE-WLAN kamen wir spät abends in Berlin an, glücklich und beseelt von einem großartigen Abenteuer, wie man es bisher bei Zita nicht so oft erleben konnte. Hoffen wir das Beste!
Vielen Dank, ihr Kids! Ich konnte wieder einmal die Wahrheit eines über zehn Jahre alten Artikels erleben. Und vielen Dank auch an die Teams von der DSJ und vom Ausrichter, die das Turnier ermöglicht haben.
Hartmut Riedel
